Von unserer Redakteurin
Denise Bergfeld
M Kreis Bad Kreuznach. Die FDP verliert zusehends Mitglieder – auch vor Stadt und Kreis Bad Kreuznach macht dieser Negativtrend nicht halt. Während sich die Parteimitglieder heute auf Bundesebene zu ihrem Dreikönigstreffen einfinden, sieht es für die Liberalen düster aus. Neben schlechten Umfragewerten hat die Bundes-FDP 2011 einen gewaltigen Mitgliederschwund hinnehmen müssen. Von einem Verlust von 5000 Parteimitgliedern berichtete jüngst die Frankfurter Rundschau, was einem Minus von 7,5 Prozent entsprechen würde. Und auch an der Basis wird die Bundespolitik als Hauptgrund für Parteiaustritte heranzitiert.
Eitel: Situation ist unerfreulich
In Bad Kreuznach ist die Situation nach Angaben des FDP-Stadtverbandsvorsitzenden Jürgen Eitel zwar unerfreulich, aber nicht dramatisch. Die Liberalen in der Kurstadt mussten 2011 sechs bis sieben Prozent ihrer Mitglieder ziehen lassen, und liegen damit nur leicht unter dem Bundesschnitt. Heute zählt die Stadt-FDP rund 85 Mitglieder. Vor zwei Jahren waren es laut Eitel noch rund 97. Was einem Verlust von mehr als zwölf Prozent in zwei Jahren entsprechen würde.
Die Gründe für die Austritte seien laut Eitel oft sehr vordergründig. Entweder passe den Mitgliedern die Politik in Berlin nicht, oder sie machten es an der Person Guido Westerwelle fest. Auch daran, wie Eitel berichtet, dass Westerwelle eine Ehe mit einem gleichgeschlechtlichen Partner eingegangen ist. „Oft sind es ganz komische Argumente“, sagt der Stadtverbandsvorsitzende zu den Gründen, die an ihn herangetragen werden. Er bekomme sie meist schriftlich, spreche aber auch mit jedem Mitglied, das die Partei verlassen will.
Beim traditionellen Neujahrstreffen will sich die Stadt-FDP in diesem Jahr ganz auf sich und die Kurstadt konzentrieren und scheint auf Distanz zum zerrütteten Mutterschiff zu gehen. Große Redner aus der Bundespolitik werde es in diesem Jahr in Bad Kreuznach nicht geben, kündigte Eitel an und betonte: „Wir sind zu weit weg von denen.“ Das vordergründige Ziel sei es nun, eine starke Partei in Bad Kreuznach zu bleiben.
Auf Kreisebene wird es in diesem Jahr gar keinen Neujahrsempfang geben. Dort liegt die FDP derzeit bei 305 Mitgliedern, im Jahr 2010 waren es noch 329. Das entspricht einem Verlust von 7,2 Prozent. „Insgesamt haben wir aber immer noch mehr Mitglieder als vor der Bundestagswahl“, betont FDP-Schatzmeister Thomas Bursian. Noch bis Ende 2008 habe die Zahl bei 285 Unterstützern gelegen. Und der Mitgliederverlust betreffe durchweg alle Parteien, nicht nur die FDP.
Hochphase nach Wahl abgeklungen
Dass nach der Bundestagswahl mehr Menschen zur Kreis-FDP stießen, erklärt sich Bursian folgendermaßen: „Manche Menschen möchten gerne auch mal bei den Gewinnern dabei sein, vielleicht weil sich etwas davon versprechen.“ Aber man sei als Partei heute nicht mehr so „sexy“, wenn man jeden Tag Schläge kassiere, kritisiert Bursian die Berichterstattung in den Medien.
Auf Kreisebene wird bei den Austritten laut Bursian immer wieder die Bundespolitik als Grund genannt, nicht die Landes- oder Kreispolitik. Er selbst sei mit den Liberalen schon das ein oder andere Mal durchs „Tal der Tränen“ gegangen und hofft, dass künftig die liberalen Themen wieder in den Vordergrund rücken und die personenbezogenen Debatten enden. Den Rücktritt von Generalsekretär Christian Lindner bezeichnet er als „unglücklich“. Er ist dennoch zuversichtlich, dass es kein Entschluss für die Ewigkeit war: „Er wird wiederkommen, davon gehe ich aus.“ Lindner sei ein intellektueller Kopf, der von der Partei gebraucht werde.