FDP Stadtverbandschef Ewald Plew glaubt weiter an seine Partei
Die FDP taumelt. Beim heutigen Dreikönigstreffen in Stuttgart wollen die Liberalen raus aus dem Tief. Wie sieht der FDP-Stadtverbandsvorsitzende Ewald Plew seine Partei?
Der FDP laufen die Mitglieder davon - sind Sie auch schon auf der Flucht?
Nein, wohin? Derzeit sehe ich keine Alternative zur FDP. Im Übrigen kann ich auch nicht alle paar Jahre die Partei wechseln. Die Leute können mich dann ja gar nicht mehr zuordnen.
Spüren Sie den Mitgliederschwund auch im Stadtverband?
Bisher sind die Mitgliederzahlen im Stadtverband konstant, es gibt sogar zwei Anfragen für einen Parteieintritt.
Was sagen denn die Mitglieder an der Basis?
Die meisten Mitglieder sehen das ähnlich wie ich: Es gibt keine Partei, die die liberalen Werte besser vertritt. Allerdings werden Außendarstellung und innerparteiliche Streitigkeiten, sowie die schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung durchaus kritisch gesehen. Die Tendenz geht jedoch eher zu einem: Jetzt erst recht. Und viel schlechter kann es ja kaum noch kommen.
Die Bad Sobernheimer FDP hat sich, obwohl so klein, häufiger zur Stadtpolitik geäußert als die großen Parteien. Lohnt sich der Eifer?
Im engeren Vorstand des Stadtverbands haben wir mit Leuten wie Carsten Dierks, Martin Jung, Martin Mann, und Elke Zedlitz eine sehr harmonische Führung, mit denen die kommunalpolitische Arbeit Spaß macht und mit denen ich gerne zusammenarbeite. Ich glaube, ohne überheblich wirken zu wollen, wir liefern eine gute Arbeit ab. Die Reaktionen der Bürger bestätigen das. Insofern lohnt es sich, so weiter zu machen, wie bisher.
Zur Bundespartei. Rösler kann’s nicht, heißt es, und Brüderle soll übernehmen, wird gefordert. Ihre Meinung?
Ich hätte gerne endlich eine gewisse Kontinuität. Der dauernde Wechsel an der Parteispitze bringt nur noch mehr Unruhe. Allerdings hätte ich auch gerne, dass unsere Parteiführung endlich mit dem „Liefern“ beginnt, wie Phillip Rösler bereits im Mai, bei seinem Antritt als Parteivorsitzender versprochen hatte. Darauf warten wir bisher leider immer noch.
Was würden Sie Ihren Parteifreunden in Berlin raten?
Wir brauchen dringend eine verbesserte Außendarstellung sowie ein selbstbewussteres und vor allem geschlosseneres Auftreten. Das Beschäftigen mit sich selbst und die Querelen innerhalb des Vorstands müssen umgehend aufhören. Dafür muss die Arbeit und das erreichte der Liberalen innerhalb der Koalition wesentlich besser dargestellt werden und die liberalen Ziele klar formuliert werden, damit die Wähler sehen: So schlecht, wie die FDP derzeit dargestellt wird, ist sie gar nicht.
Das Interview führte Gert Schatto